Bauelemente-Distributionsmarkt in Deutschland: Rekordumschwung in Höchstgeschwindigkeit
Deutscher Bauelemente-Distributionsmarkt (gemäß FBDi e.V.) wächst um 30 Prozent. Auftragseingang auf extrem hohem Niveau – Book-to-Bill-Rate bei 1,16.
München, 8. Juni 2010 – Genauso schnell wie der deutsche Bauelemente-Distributionsmarkt letztes Jahr eingebrochen ist, konnte er sich in 2010 wieder erholen. Dem Gesamtjahresminus von 23 Prozent folgte in den ersten drei Monaten 2010 ein Umsatzwachstum von 30 Prozent auf 636 Million Euro, was ein Zwei-Jahres-Hoch darstellt. Der Auftragseingang explodierte um 66 Prozent auf 739 Millionen Euro, einem Rekord seit der Gründung des FBDi im Jahr 2003. Die Book-to-Bill-Rate hat sich mit 1,16 etwas relativiert im Vergleich zum Vorquartal, das liegt aber an der deutlich höheren Umsatzbasis.
Die Umsatzverteilung änderte sich unwesentlich: Halbleiter stellen mit 70 Prozent den Löwenanteil des Marktes. Passive Komponenten kamen auf einen Anteil von 15,4 Prozent, die Elektromechanik auf 10,4 Prozent, Stromversorgungen auf 2,4 Prozent und Displays auf 1,8 Prozent. Das stärkste Wachstum verzeichneten Flat-Panel-Displays (40 Prozent plus), allerdings auf verhältnismäßig niedrigem Umsatzniveau, gefolgt von den Passiven (35 Prozent) und den Halbleitern (32 Prozent). Die Elektromechanik wuchs um 29 Prozent, die Stromversorgungen (inklusive Batterien und Akkus) um 14 Prozent.
Die Erwartungen für das Gesamtjahr 2010 sind dementsprechend hoch. Das laufende Quartal wie auch das Sommerquartal entwickeln sich ebenso rekordverdächtig, so dass ein Wachstum von 25 oder gar 30 Prozent für 2010 nicht mehr unrealistisch erscheint. Allerdings kommt dieser Aufschwung auch mit den entsprechenden Nebenwirkungen, die da heißen Knappheit und Preiserhöhungen – allerdings beide nicht getrieben von der Distribution, sondern von den Herstellern.
FBDi-Vorsitzender Georg Steinberger (Avnet EM): „Das Rekordumsatzniveau von 2007 werden wir (die FBDi-Mitglieder) auf jeden Fall erreichen. Leider sind wir jetzt Opfer vieler Folgeerscheinungen der Krise, genauso wie die Kunden oder die Hersteller. Eine Schuldzuweisung hilft in keinem Fall, denn der Ausgangspunkt ist nicht die Investitionspolitik der Hersteller in neue Kapazitäten sondern die Weltfinanzkrise von 2008, die alle Marktteilnehmer zur Vorsicht zwang. Da die darauf folgende Wachstumskrise alles andere als vorüber ist und weitere Krisen (Euro) virulent sind, erklärt sich der derzeitige Boom nur schwer.“
Steinberger weiter: „Als wir vor über einem Jahr zu rechtzeitiger Disposition gemahnt haben, gingen wir von einem sanften Aufschwung aus. Diese Annahme war offensichtlich falsch und das Wachstum in dieser Form unvorhersehbar, vor allem in Europa, das längst nicht mehr der strategische Nabel der Elektronikwelt ist. Die Empfehlung längerfristig zu planen und nicht digital, bleibt aber bestehen. Zumal auch der nächste Zyklus unausweichlich ist. Ich kann nur jeden warnen, der glaubt, es geht jetzt nur noch aufwärts. Das haben wir auch im Jahr 2000 geglaubt. An das Resultat werden sich die meisten noch erinnern.“

