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FBDi: Marktzahlen für Q4/2023

02. Februar 2024

2023 leichtes Umsatzplus; 2024 mit negativem Ausblick

Die Marktzahlen der Distribution (Quelle: FBDi)

Georg Steinberger: »Es wird Zeit, dass wir uns als Industrie viel stärker als bisher gegen menschen- und demokratiefeindliche Ten­den­zen in der Gesell­schaft posi­tio­nieren.«

Im vierten Quartal 2023 machte sich der schwache Auftragseingang der letzten Quartale mit Wucht bemerkbar.

Der Umsatz der im FBDi meldenden Distri­bu­toren ging um 20,1 % auf 1,08 Milliarden Euro zurück. Aufgrund der weiterhin sehr schwa­chen Auftrags­lage (-56 % auf 507 Millionen Euro) errechnet sich eine Book-to-Bill-Rate von 0,47, was für die nächsten Quartale eine schwierige Marktsituation erwarten lässt. Dennoch: Das Gesamtjahr 2023 blieb trotz des schwachen 2. Halbjahrs positiv.

Der Gesamtumsatz endete mit einem Plus von 4,4 % auf 5,37 Milliarden Euro.

Vor allem die Halbleiter prägten das Jahr für die Distributoren. Zwar gingen die Umsätze damit im vierten Quartal 2023 ebenfalls zurück, um 21 % auf 745 Millionen Euro; im Gesamtjahr wuchsen sie jedoch um über 10 % auf die Rekordmarke von 3,73 Milliarden Euro. Weniger positiv lief es (bereits seit längerem) bei den Passiven Komponenten und der Elektromechanik. Sie schrumpften sowohl im vierten Quartal als auch im Gesamtjahr, die Passiven um 15,9% auf 136 Millionen Euro in Q4 (-5,6 % auf 669 Millionen Eurofürs Gesamtjahr), die Elektromechanik um 18,1% auf 128 Millionen Euro (Gesamtj­ahr: -7,3 % auf 620 Millionen Euro). Ähnliche Abwärts­trends waren bei Sensoren, Displays, Strom­ver­sor­gungen sowie Bau­gruppen zu ver­zeich­nen. An der Umsatz­ver­teilung nach Kom­po­nen­ten­gruppen änderte sich so gut wie nichts.

FBDi-Vorstandsvorsitzender Steinberger:
»Die Zahlen sind nicht überraschend, weder fürs vierte Quartal noch fürs Gesamtjahr. Man kann das Jahr 2023 so zusammenfassen, dass es bereits viele vorgezogene Geschäfte von 2024 enthält und somit unrealistisch hoch war, genau das, was in 2024 fehlen wird. Für die nächsten Quartale ist mit geringen Neuaufträgen im Bestandsgeschäft zu rechnen, deshalb sollte der Fokus ganz klar auf die Erschließung neuer Designs und Projekte liegen, die wohl aufgrund der schwierigen Liefersituation in den letzten zwei Jahren auch bei den Kunden keine Priorität hatten.«

Zur weiteren Lage stellt Steinberger fest:
»Der positive Ausblick der meisten Marktforscher für 2024 betrifft überwiegend einen Bereich, der als Treiber dienen könnte – Speicher und Prozes­so­ren, die KI-An­wen­dungen in Data Centern unter­stützen. Dieser Markt wird wohl haupt­sächlich in den USA statt­finden. In Europa ist die Realität eine andere: Wir treffen hier auf eine schwä­cheln­de Industrie und einen unter Druck be­find­lichen Automobil­bereich, die zwei Haupt­ab­nehmer für Komponenten und wichtigsten Kunden­gruppen für die Distri­bution. Deshalb sind die Aus­sichten für Europa in diesem Jahr eher mod­e­rat, mit der Hoff­nung auf eine Trend­wende nach dem Sommer. Unser Appell wäre, sich nicht auf sinn­lose Preis­kämpfe ein­zu­lassen, zumal die Pro­duktions­kosten bei den Kom­po­nenten nicht niedriger werden, sondern sich auf die Inno­vations­kraft Eu­ro­pas zu fokus­sieren und mit neuen Ideen den Markt zu begeistern.«

Gesamtaussicht für die Zukunft nach wie vor positiv

Steinberger: »Wir können uns jetzt weiter in die Krise jammern und auf die Politik schimpfen oder die enormen Möglichkeiten, nutzen, die die digitale Transformation und der notwendige, klimafreundliche Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft bieten. Gerade für Letzteres sind die Anzeichen da, dass die Unter­neh­men den poli­ti­schen Vorgaben nicht nur folgen, sondern vo­raus­gehen, und das ist auch gut für die Elek­tro­nik­in­dustrie.«

Ein Thema, das für niemanden gut ist, meint Steinberger, ist die zuneh­mende Radika­li­sierung am rechten Rand der Gesellschaft, bis hinein in die Mitte.

»Es wird Zeit, dass wir uns als Industrie viel stärker als bisher gegen menschen- und demo­kra­tie­feind­liche Tend­en­zen in der Gesell­schaft positio­nieren. Sie schaden der Gesell­schaft, der Wirt­schaft und dem An­sehen Deutsch­lands als welt­offe­nes Land. Michael Huether vom Institut der Deutschen Wirt­schaft (IW) beziffert allein den Schaden der ‚kühnen‘ Wirtschafts­pläne von AFD und Co. auf 500 Milliarden Euro Verlust und 2,2 Millionen Arbeits­plätze, von den ge­sellschaft­lichen Ver­wer­fungen ganz zu schweigen.«

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