News – Pressemitteilungen

Elektronikbauelemente-Dis­tribution Deutschland: Starkes Wachstum und sehr starkes Booking set­zen sich fort

03. August 2026

Ein Boom auf wackligen Füßen

Marktentwicklung nach Produktgruppen im deutschen Elektronikmarkt (FBDi), Q2–Q2 2026

Berlin, 03. August 2026 – Die Elektro­nik­dis­tr­ibu­tion in Deut­schland vervzeichnet laut FBDi e.V. ein starkes 2tes Quartal mit einem Umsatz von 1.0 Mrd.€ (+25,5 % Q2/Q2).

Auffällig ist aber insbesondere der in manchen Produktsegmenten regelrecht explodierende Auf­trags­eingang,der sich mit +113,3 % ge­gen­über Q2/2025 mehr als verdoppelt hat. So erinnert das Book‑to‑Bill‑Verhältnis von 1,54 insbesondere bei der Betrachtung der steilen Flanke in der Chartanalyse (sh. Rollercoaster) an die Auftragseingänge von 2021.

Doch der Boom steht auf wackligen Füßen: Die Lage bleibt geprägt von ka­pa­zi­täts­be­dingten Ver­füg­bar­keits­ri­siken, fragilen Lie­fer­ket­ten, einem globalen Halbleitermarkt, der laut WSTS im Mai 2026 um 104 % gegenüber dem Vorjahresmonat gewachsen ist, sowie einer dramatischen Preisentwicklung im Me­mo­ry‑Segment, die unmittelbar auf den DACH­Markt durchschlägt.

Einordnung

»Die Umsatzentwicklung und Stärke der 'Bookings' überrascht wenn man die Wirt­schafts­nachrichten aus Industrie mit dem Auftragseingang abgleicht. Ein großer Teil dieses Wachstums scheint somit getrieben von massiven globalen Preis­stei­ge­rungen einzelner Segmente, Bestandsaufbau und nicht von realer Endnachfrage.« konstatiert Andreas Falke, Ge­schäfts­führer FBDi e.V.

»Die Sorgen über Verfügbarkeit und Resilienz der Lieferkette sind wieder groß. Globale Instabilität, globalisierende Konflikte und unklare Energiemärkte schaffen Unsicherheit. Das zugrunde liegende Wachs­tums­po­tenzial Europas bleibt stärker an industrielle An­wen­dungen gebunden als an die KI getriebenen Nachfragewellen in den USA und Asien. Das macht unsere Nachfrageentwicklung stabiler, aber wir bleiben aufgrund unserer Ab­hän­gig­keiten ins­be­son­dere bei Energie auch wei­ter­hin anfällig für externe Schocks.«

Marktentwicklung nach Produktgruppen

Halbleiter erzielten im zweiten Quartal 642,4 Mio. € Umsatz (+29,9 % Q2/Q2) und einem Auftragseingang von 1.1Mrd € (+ 162,0 % Q2/Q2) und einem BtB von 1,74. Halbleiter bleiben damit zentraler Wachs­tums­treiber, aber die Entwicklung ist jedoch volatil.

Haupttreiber in Europa ist das Memory Segment, der Umsatz sprang auf 151,0 Mio.€ (+232,1 % Q2/Q2) bei einem explodierenden Auftrags­ein­gang von 373,6 Mio. € (+751 % Q2/Q2)  und damit einem BtB von 2,47. Die KI Nachfrage bei Memory führt auf dem Welt­markt zu massiven Kapazitätsengpässen, stei­gen­den Preisen und einem außer­ge­wöhn­lich hohen Booking, das alle historischen Ver­gleichs­werte sprengt.

Teile der Logik Bauelemente zeigen ähnliche Muster. In nahezu allen Halbleiter Produktkategorien liegt das Book to Bill über 1 und die Um­satz­stei­ge­rungen über 20 % zum Vorjahres­quartal. Neben aktuellem Bedarf spielt strate­gische Be­vor­ra­tung eine er­heb­liche Rolle.

Für die kommenden Quartale sind deutliche Markt­verwerfungen möglich – sowohl nach oben als auch nach unten. Ener­gie­preis­schocks, Supply-Chain-Risiken und geopolitische Spannungen verstärken diese Volatilität massiv.

Die IP&E Segmente scheinen dem­gegen­über deutlich berechenbarer der In­dus­triellen Dy­na­mik zu folgen.
Mit einem Gesamtumsatz von 322,3 Mio. € (+11,8 %) und einem Book to Bill von 1,21 zeigt sich die Entwicklung auf breiter Basis positiv. Der Auftrags­ein­gang (AE) liegt 29,6 % über dem Vor­jahres­quar­tal.

Passive Bauelemente erzielten 139,2 Mio. € Umsatz (+16,5 %), getragen von einer soliden industriellen Nachfrage und einem Auftragseingang, der um 53,6 % linear in der Breite zulegte. Aber auch hier sind auch schon Anzeichen von Ver­knap­pungen bei MLCC festzustellen, die ebenfalls massiven Einsatz in den KI Servern finden.

Elektromechanik bleibt ein verlässlicher Wachstumspfeiler: Umsatz 150,5 Mio. € (+20,7 % Q2/Q2), ein Book to Bill von 1,17 und ein Auf­trags­ein­gang 176,0 Mio. € (+43,6% Q2/Q2) unterstreichen die Bedeutung dieses Segments für Auto­ma­ti­sierung, Energie und Gebäudetechnik.
Insgesamt zeigt IP&E ein robustes, nach­hal­tiges Wachstum, das stärker auf realen industriellen An­wend­ungen basiert und weniger von globalen Spe­ku­la­tions­zyklen beeinflusst wird.

Ausblick – Chancen und Risiken

Die starken Auftragseingänge lassen die Prognosen für 2026 deutlich steigen und signalisieren eine spürbare Erholung der Nachfrage. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld fragil: Geopolitische Spannungen, volatile Liefer­ketten, steigende Energie ]und Roh­stoff­kosten erschweren die Planungs­sicherheit.

Dennoch sieht die Elektronik als Quer­schnitts­branche neue, substanzielle Wachs­tums­chancen. Die Nach­frage nach KI-In­fra­struktur steigt dynamisch, ebenso die Investitionen in Defense- und Aero­space-Pro­gram­me. Die Energie und Mobi­li­täts­wende schafft zu­sätz­liche Impulse für Leis­tungs­elektronik und System­technik. System­inte­gration gewinnt an Be­deu­tung, da Un­ter­neh­men verstärkt nach ganz­heit­lichen Lö­sun­gen suchen.

Falke abschließend

»Wir leben in interessanten Zeiten mit um­fang­rei­chen, herausfordernden Aufgaben. Diese könnten leichter fallen, wenn unser Ziel für die Zu­kunft klarer wäre und wir selbst auch bereit sind alte Ziele und Erreichtes zu hin­ter­fragen. Unsere europäischen Werte werden von Po­pu­listen und auto­ri­tären Mächten massiv in Frage gestellt und attackiert.

Europa muss sich hinter ge­mein­samen Ideen und Werten als Versprechen für die Zukunft versammeln und diese mit Energie und Ent­schlos­sen­heit ver­fol­gen, zum Einen um diese Werte zu sichern aber auch um gleich­zeitig eine bessere Position im globalen Wett­bewerb zu entwickeln. Hier zu Er­lah­men spielt den Falschen in die Karten.«

Zurück