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FBDi Branchenschau: Regulierung, Handelspolitik und Verband

12. Januar 2026

Pragmatismus statt Paragrafenflut

FBDi Branchenschau:
FBDi Branchenschau (Quelle: Adobe 641276341)

Die Elektronikdistribution steht an einem Punkt, an dem politische Rahmen­be­din­gungen, Regulierungsdichte und wirt­schaft­liche Unsicherheiten zunehmend über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Eine aktuelle FBDi-Umfrage zeigt: Die Branche fordert dringend stabile Perspektiven – von klaren politischen Signalen über verein­fachte Re­gu­larien bis hin zu gezielten Impulsen für Innovation und Investition.

Zentrale Erwartung ist Planbarkeit. Nur wer langfristig kalkulieren kann, investiert in Technologien, Kapazitäten und Beschäftigung. Schwankende Vorgaben, kurzfristige Programme und Bürokratie behindern dies. Besonders kleine und mittlere Unternehmen geraten unter Druck, weil sie komplexe Berichtspflichten, Dokumentationen und Konformitäts-Anforderungen mit begrenzten Ressourcen bewältigen müssen. Der Ruf nach einem realistischeren Umgang mit Bürokratie zieht sich durch alle Rückmeldungen.  

Als größtes Hindernis gelten Regulierungen wie Lieferkettengesetz, Cyber Resilience Act, PFAS-Verbot, CSRD- und ESG-Berichtspflichten, RoHS oder REACH. Sie führen zu komplexen Prozessen, doppelter Datenerfassung und langen Genehmigungszeiten. Viele Befragte verlangen einheitliche EU-Normen, vereinfachte Melde­ver­fahren und digitale Plattformen, um Vorgaben praktikabler umzusetzen.

Zugleich wächst die Sorge, dass Europa durch übermäßige Regulierung seine industrielle Basis schwächt. Fehlende Harmonisierung, nationale Sonderwege und widersprüchliche Auslegungen schaffen Wett­be­werbs­nach­teile gegenüber Drittstaaten. Die Branche fordert daher, Regularien auf Wirksamkeit zu prüfen und Überregulierung konsequent abzubauen – etwa nach dem Prinzip „One in, two out“.

Regulierung darf kein Selbstzweck sein, sondern soll gesellschaftliche Ziele wie Nachhaltigkeit oder Sicherheit fördern, ohne Unternehmen zu blockieren. Eine engere Abstimmung zwischen Wirtschaft und Politik, längere Übergangsfristen und Testphasen für neue Vorgaben könnten laut Umfrage zu mehr Praxistauglichkeit führen.

Parallel sucht die Branche nach Wachs­tums­pfaden. Investitionen in Forschung, Digita­li­sie­rung, Energie­effi­zienz, KI und Halb­leiter­tech­no­logien gelten als Schlüssel für den in­dus­triel­len Wieder­auf­schwung Europas. Wett­be­werbs­fähige Ener­gie­preise, funktionierende In­frastruktur und qualifizierte Fachkräfte sind zentrale Standortfaktoren. Gefordert ist eine konsistente Industriepolitik, die Innovation ermöglicht und Produktion in Europa stärkt – statt sie durch komplexe Vorgaben zu bremsen.

Die Elektronikdistribution verlangt keine Abkehr von Regulierung, sondern Augenmaß, Verhältnismäßigkeit und Effizienz. Nötig ist eine europäische Wirtschaftspolitik, die Rahmenbedingungen schafft, anstatt Hürden zu errichten – ein moderner Ordnungsrahmen, der Innovation begünstigt, Planungssicherheit schafft und Dynamik freisetzt. Statt neuer Auflagen braucht es Entlastung durch klare, digitale und effizient gesteuerte Prozesse.

„Politische Instrumente sollen Wachstum ermöglichen, nicht hemmen“, betont Andreas Falke, Geschäftsführer des FBDi. „Die Elektronikdistribution fordert, dass Europa seinen Anspruch als führender Techno­lo­gie­standort mit intelligenter, pragmatischer und zukunftsorientierter Regulierungspolitik untermauert.“

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